Ellis Saturday-Morning Report Vol. 26
Guten Morgen, liebe News-Crew!
Das erste Adventswochenende steht vor der Tür und passend dazu spielt ausnahmsweise mal das Wetter mit, oder? Knackig kalt, in manchen Straßen riecht es nach Kaminholz und auf den Bäumen liegt – hier in Hamburg eine dünnere Schicht – in anderen Teilen Deutschlands eine fette Decke Schnee.
Fast wie früher, oder?
Ich wünsche euch auf jeden Fall ein gemütliches Wochenende, mit warmen Tee und süßen Plätzchen!
…und falls ihr noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk seid: Auf vielfachem Wunsch habe ich noch bis Montagabend meine kleinen NEWSiversum-Shop für euch geöffnet, wo ihr unserer “Oben-ohne-News-Crew-Tasse” kaufen könnt. Es gibt diesmal auch ein Bundle von drei Tassen. Außerdem bekommst du, wenn man ein neues News-Crew-Jahresabo abschließt, einmal die Versandkosten von mir geschenkt. Das ist vielleicht auch ein schönes und vor allem nützliches Geschenk für deine beste Freundin? Ein Jahresabo und eine dazu passende NEWSiversums-Tasse?
Ich verlinke dir hier einfach mal den Link zum Shop.Dort findest du auch alle weiteren Informationen.
Nun erstmal: Viel Spaß beim Stöbern.
Ich trinke jetzt einen kräftigen Schluck aus meiner Oben-ohne-Tasse und sage auf geht’s in die Welt der Nachrichten.
Hier kannst du den ESMR Vol. 26 als Podcast hören:
Das war diese Woche wichtig:
1. Der Kampf geht weiter: In Gaza ist die Feuerpause beendet – und die ersten Berichte befreiter Hamas-Geiseln gelangen an die Öffentlichkeit.
Gestern ging es wieder los. Nach einer einwöchigen Feuerpause haben die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der islamistischen Hamas wieder begonnen – nach sieben Tagen Feuerpause.
Das israelische Militär beschuldigt die Hamas, die Bedingungen des Abkommens nicht eingehalten zu haben, da nicht alle Kinder und Frauen, die am 7. Oktober als Geiseln genommen worden waren, freigelassen wurden. Zudem sollen Raketen vor Ende der vereinbarten Pause auf Israel abgefeuert worden sein.
US-Außenminister Antony Blinken erklärte am späten Donnerstagabend, Israel habe das Recht, sich selbst zu verteidigen, allerdings müsse dies im Rahmen der internationalen Menschenrechtsstandards geschehen.
Auch Hilfsorganisationen hofften bis zuletzt auf eine weitere Verlängerung der Feuerpause. Ein Team der Weltgesundheitsorganisation WHO besuchte während der Pause u.a. das Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza Stadt und beschrieb gestern die Zustände als “wie in einem Horrorfilm.” Patient:innen lägen auf dem von Blut verschmutzten Boden mit “schlimmsten Verletzungen”, während auf dem Parkplatz vor dem Gebäude die Leichen gelagert würden.
In der vergangenen Woche wurden mehr als 100 Hamas-Geiseln freigelassen, im Gegenzug entließ Israel über 240 palästinensische Gefangene aus seinen Gefängnissen.
Nun kommen nach und nach Schilderungen der Bedingungen der Geiselhaft an die Öffentlichkeit. Die Beschreibungen der Geiseln unterscheiden sich – sie wurden ja auch an unterschiedlichen Orten festgehalten und unterschiedlich gut oder schlecht behandelt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht.
Die Menschen haben alle wochenlang kaum Tageslicht gesehen, da sie in den Tunneln gehalten wurden. Sie mussten teilweise stundenlang warten, um auf Toilette gehen zu können und schliefen auf Plastikstühlen – oder unter ihnen auf dem nackten Boden.
Yocheved Lipschitz, 85, beschrieb, dass sie zu Beginn einmal täglich etwas zu essen bekamen: Fladenbrot, etwas Käse und Gurken und dass die Entführer das Gleiche aßen. Allerdings hätten sich die Bedingungen in den letzten Wochen verschlechtert, mit nur noch einmal täglich Brot und geringen Mengen Reis.
Viele Angehörige berichteten, dass die Menschen viel Gewicht verloren haben.
Die neunjährige Emily Hand erzählte ihrem Vater Thomas, dass sie niemand geschlagen habe. Hand glaubt aber, dass die starken Stimmen der Geiselnehmer ausgereicht hätten, um sie zu kontrollieren: “Ich musste mein Ohr ganz nah an ihren Mund halten, um sie zu verstehen. In Gefangenschaft wurde ihr gesagt, dass sie keinen Lärm machen darf. Du kannst den Terror in ihren Augen sehen”, sagte er CNN.
Andere Geiseln wurden mit ernsthaften Verletzungen oder aufgrund von starken gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert. Darunter auch die 84-jährige Alma Avraham, die auf der Intensivstation künstlich beatmet werden musste.
Internationale Bemühungen, eine neue Feuerpause zu erreichen, werden intensiviert.
UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sein Bedauern über die Wiederaufnahme der Kämpfe: “Ich hoffe immer noch, dass es möglich ist, solch eine Pause zu wiederholen.”
Katar und Ägypten, die bereits das erste Abkommen vermittelten, arbeiten laut BBC an einem neuen Deal.
Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock plädierte eindringlich für ein erneute Feuerpause. Dies sei nötig, um "sowohl für die verbleibenden Geiseln, die seit Wochen in finsteren Tunneln auf Freilassung hoffen, als auch für die notleidenden Menschen in Gaza, die dringend mehr humanitäre Hilfe benötigen".
2. Gil Ofarim, der Lügner. Warum das Geständnis des Sängers der Antisemitismusdebatte schadet.
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland ist seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober stark angestiegen und liegt mit durchschnittlich 29 Fällen pro Tag mehr als viermal so hoch wie im Jahresdurchschnitt 2022. Das berichtete Anfang der Woche der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS).
Eine Nachricht, die in dieser Woche für Schlagzeilen sorgte, scheint das zu konterkarieren: Nämlich das Geständnis des jüdischen Musikers Gil Ofarim, die Behauptung ein Hotelmaneger habe ihn im Herbst 2021 antisemtisch diskriminiert, frei erfunden zu haben.
Was war geschehen?
Gil Ofarim veröffentlichte im Oktober 2021 ein Video auf seinem Instagram-Kanal. Darin berichtet er sichtlich erschüttert, dass er gerade in einem Leipziger Hotel vom Hotelmanager aufgefordert worden sein, die Kette mit einem silbernen Judenstern abzunehmen, die er gerade um den Hals trug. Andernfalls könne er nicht einchecken.
Es folgte ein Aufschrei der Empörung und Solidaritätsbekundungen mit dem vermeintlichen Opfer Ofarim.
Der beschuldigte Hotelmitarbeiter erhielt telefonische Morddrohungen und musste zeitweise untertauchen. Vehement bestritt er die Vorwürfe und zeigte seinerseits Ofarim wegen Verleumdung an. Es kam Anfang November zum Prozess.
Der Vorsitzende Richter Andreas Stadler bekräftigte gleich zu Beginn des Prozesses, dass Antisemitismus eine Tatsache und der Kampf dagegen eine Aufgabe sei. In diesem Prozess gehe es aber um die Frage, ob in diesem Fall Antisemitismus vorliege.
Am sechsten Prozesstag, nach diversen Aussagen von Zeug:innen und Auswertung der Beweise kam dann am Dienstag die Wendung: Nach zweieinhalb stündigen Gesprächen im Nebenzimmer gibt Gil Ofarim zu die Anschuldigungen erfunden zu haben.
Er entschuldigt sich bei dem Hotelmanager und es kommt zu einem Vergleich. Demnach wird das Verfahren eingestellt. Ofarim muss 10.000 Euro an die Jüdische Gemeinde Leipzig und dem Trägerverein Haus der Wannseekonferenz zahlen. Außerdem muss Ofarim dem Hotelangestellten Schmerzensgeld zahlen. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart.
Vorteil für den Sänger: Er gilt als nicht vorbestraft.
Über das Motiv für seine Lügengeschichte (die seine Künstlerkarriere vermutlich nachhaltig beschädigt haben dürfte) kann nur spekuliert werden.
3. Staatsmann oder schlimmer Schurke? Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger ist tot
Mit stolzen 100 Jahren ist Henry Kissinger am vergangenen Mittwoch auf seinem Landsitz nördlich von New York gestorben. Die USA trauern um ihren ehemaligen Außenminister, der noch Jahrzehnte nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik als Präsidentenberater enormen Einfluß hatte. Und aus aller Welt kamen auffällig hymnische Beileidsbekundungen für einen “großen Diplomaten”. Die Bundesregierung würdigte die Lebensleistung des in Fürth geborenen Deutsch-Amerikaners, dessen jüdische Familie 1938 vor den Nazis fliehen mußte. Kissinger habe sich um die transatlantische Freundschaft verdient gemacht, hieß es. Bundespräsident Steinmeier nannte den Verstorbenen einen “Kämpfer für die Freiheit und Demokratie”, Außenministerin Baerbock rühmte Kissinger als “Jahrhundertgestalt der internationalen Politik”.
Tatsächlich hat kaum jemand die Außenpolitik der USA so nachhaltig geprägt wie Henry Kissinger, den Richard Nixon 1968 ins Weiße Haus geholt und erst zum Nationalen Sicherheitsberater, später auch noch zum Außenminister gemacht hatte. Seine Hauptaufgabe war die Beendigung des verlustreichen und unrühmlichen Vietnamkrieges. Kissinger verfolgte dabei eine hochumstrittene Doppelstrategie: er ließ Nordvietnam massiv bombardieren und trieb gleichzeitig Geheimverhandlungen mit den Feinden voran. Diese mündeten in den Friedensvertrag von Paris – Kissinger wurde dafür 1973 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, was heftige Kontroversen auslöste.
Denn das vorausgegangene Bombardement der Amerikaner hatte in Vietnam unzählige Zivilisten das Leben gekostet. Auch das neutrale Kambodscha hatte Kissinger völkerrechtswidrig bombardieren lassen, weil die Vietcong (also die Guerillakämpfer zur Befreiung Südvietnams) das Nachbarland für Nachschub und als Rückzugsort genutzt hatten. Zwischen 50.000 und 300.000 Menschen sollen damals in Kambodscha im Bombenhagel getötet worden sein. Bis zuletzt ist Kissinger diesbezüglichen Vorwürfen ausgewichen oder rechtfertigte sich so: “Wir haben mit allen möglichen Waffen jede Guerilla-Einheit bombardiert, die sich uns entgegengestellt hat. Das war in jeder Regierung so, egal welcher Partei. Wir reden hier über etwas, das vor 60 Jahren passiert ist. Das war ein notwendiger Schritt damals.” Bei solchen Antworten schwang immer ein “Basta!” mit.
Auch über seine fragwürdige Rolle (und die des US-Geheimdienstes CIA!) beim blutigen Militärputsch von General Augusto Pinochet gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende in Chile (1973) oder seine Nähe zu anderen menschenrechtsverletzenden autoritären Regimen sprach Kissinger nicht gern. Er hat stets betont, Außenpolitik müsse sich an den “Realitäten” orientieren. Im Klartext: wer die Interessen der Supermacht USA vertrete, dürfe nicht zimperlich sein. Kritiker des über Jahrzehnte als “großer Staatsmann” gefeierten Deutsch-Amerikaners erinnern daran, dass auf sein politisches Konto auch düstere Entscheidungen gehen. Etwa die Unterstützung des pakistanischen Genozids im heutigen Bangladesch mittels illegaler Waffenlieferungen der USA. Oder die militärische Unterstützung der Invasion Ost-Timors durch Indonesiens Diktator Haji Mohamed Suharto. War Henry Kissinger also auch ein Schurke? Gewiß.
Aber zur historischen Wahrheit gehört eben auch, dass der hochintelligente, ehrgeizige und machtbewusste Strippenzieher der US-Diplomatie viel “Gutes” bewirkt hat. Die Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen ist Kissingers Verdienst. Er hatte in geduldiger Geheimdiplomatie den historischen China-Besuch Nixons beim mächtigen Mao Zedong eingefädelt – schon 1972! Der unermüdlich um die Welt reisende Chefdiplomat der USA vermittelte auch zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und betrieb Entspannungs- und Abrüstungspolitik mit dem damaligen Dauerrivalen der USA, der Militärmacht Sowjetunion. Dies und Kissingers bleibende Verbundenheit zu seiner alten Heimat (dem Land, aus dem er als Teenager in die USA fliehen mußte) erklären, warum Henry Kissinger in Deutschland fast durchweg als Staatsmann verehrt wurde und immer noch verehrt wird – der düsteren Kapitel seines beeindruckenden 100jährigen Lebens zum Trotz.
Auf der Website ging ein neuer Artikel online:
Im Interview erklären Samuel Stern und Bijan Razavi, Bildungsreferenten bei der Bildungsstätte Anne Frank, wo die Wurzel des Antisemitismus liegt, warum manche Länder den Staats Israel vernichten wollen und was wir alle in der aktuellen Diskussion über den Nahost-Krieg besser machen können .
Die Good News der Woche
Verringerte Gender-Ungleichheit in der Wissenschaft: Ein Schritt Richtung Gleichstellung
In der Welt der Wissenschaft wird die Kluft zwischen den Geschlechtern kleiner, ein ermutigendes Zeichen für Gleichstellung und Vielfalt. Eine kürzlich im renommierten Fachmagazin PlosBiology veröffentlichte Studie liefert erfreuliche Erkenntnisse: Die Diskrepanz in Veröffentlichungen und Zitierungen zwischen männlichen und weiblichen Forschenden verringert sich -wenngleich es noch immer Luft nach oben gibt.
Die Analyse umfasste Daten von 5,8 Millionen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 174 Disziplinen. Bemerkenswert ist, dass sich das Verhältnis von Publikationen zwischen den Geschlechtern deutlich verbessert hat. Bei den Forschenden, die ihre Karriere nach 2011 begonnen haben, steht das Verhältnis nun bei nahezu 1 zu 1,36 zugunsten der Männer – ein großer Fortschritt im Vergleich zu früheren Generationen.
Obwohl Männer in den am häufigsten zitierten Forschungen immer noch überrepräsentiert sind, gibt es Anzeichen für eine positive Veränderung, insbesondere in Ländern wie Italien, wo das Zitationsverhältnis fast ausgeglichen ist. In der jüngsten Forschergeneration veröffentlichen dort sogar mehr Frauen als Männer.
Diese Ergebnisse sind ein Hoffnungsschimmer, dass die Geschlechterungleichheit in der Spitzenforschung abnimmt. Sie zeigen auf, wie weit wir gekommen sind, und erinnern uns gleichzeitig daran, dass in vielen Bereichen noch Raum für weitere Verbesserungen besteht. Dieser Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung in der Wissenschaft ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie kontinuierliche Bemühungen zu bedeutenden Veränderungen führen können – und somit unsere “Good News der Woche.”
So, liebe News-Crew,
ohne große Umschweife würde ich sagen: Let's enjoy this beautiful weekend!!?
Herzlichst aus Hamburg,
Elisabeth








