GUTEN MORGEN ZUR 124. AUSGABE VON ELLIS FRIDAY-MORNING REPORT

Moin und guten Morgen, liebe News-Crew,
Ich melde mich heute aus Washington; meiner zweiten Heimat, sozusagen. Ich bin diese Woche mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik unterwegs. Ich darf hier mitdiskutieren und lernen, welche Verantwortung Content Creator in einer immer digitaleren Welt eigentlich tragen – und welche Möglichkeiten wir überhaupt noch haben, wenn am Ende die Algorithmen mehr zählen als der Inhalt.
Hier treffe ich viele Expert:innen, die dazu forschen oder selbst jahrelange Praxiserfahrung gesammelt haben.
Gleichzeitig ist es für mich immer etwas Besonderes, nach D.C. zurückzukehren. Wir wohnen inzwischen seit fünf Jahren in Deutschland, aber dieser Ort… der bleibt einfach speziell.
Hier wurden meine drei Kinder geboren, hier haben wir die ersten Jahre als Familie verbracht.
Doch in diesen fünf Jahren hat sich auch viel verändert – nicht zuletzt, wer wieder im Weißen Haus sitzt. Erst letztes Jahr war ich hier, um über die US-Wahl zu berichten. Diesmal bin ich das erste Mal zurück unter der Trump-Präsidentschaft 2.0.
In den Wochen vor meiner Abreise wurde ich ständig gefragt, ob ich keine Angst hätte, dass sie mich gar nicht erst reinlassen – schließlich würde ich auf Instagram kritisch berichten.
Und ja, ich gebe zu: Bis vor Kurzem hatte ich wirklich ein bisschen Angst. Beim ESTA-Formular gibt es ja inzwischen das Feld, in dem man seine Social-Media-Kanäle eintragen kann. Habe ich natürlich freigelassen.
Aber ich habe mich tatsächlich gefragt:
Sollte ich meinen Instagram-Kanal lieber auf privat stellen?
Ein paar kritischere Trump-Posts löschen?
Oder – wie manche Kolleg:innen in China – mit einem zweiten Handy einreisen?
Und in dem Moment erschrak ich über mich selbst. Seit wann mache ich mir solche Gedanken, wenn ich in die USA einreise?
In das Land, in dem ich acht Jahre gelebt habe, in dem meine Kinder geboren wurden – das „Land of the Free“?
Da wurde mir klar: Die Methode der Trump-Politik funktioniert.
Unsicherheit säen. Menschen ein bisschen einschüchtern.
Und die Hoffnung: dass wir unser Verhalten anpassen.
Und das passiert längst:
Tech-Konzern-Chefs sind mittlerweile alle Trumps Buddies, manche Unis und Medien kuscheln.
Erst letzte Woche erhob Historiker Rutger Bregman schwere Vorwürfe gegen die BBC: In seiner Rede auf BBC4 wurde ein Satz gestrichen, in dem er sagte, Trump sei der „offen korrupteste Präsident der US-Geschichte“.
Selbstzensur, sagt Bregman.
Und ganz ehrlich: Wenn wir anfangen, unsere Worte nicht mehr völlig frei zu wählen – oder manche Worte gar nicht mehr zu sagen –, dann ist das der Anfang vom Ende.
Denn das Ende einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft kommt nicht über Nacht. Es passiert in vielen kleinen, leisen Schritten, die man anfangs kaum bemerkt.
Wir dürfen nicht anfangen zu schweigen, wenn wir eigentlich etwas sagen möchten oder müssten.
Mit diesem Gefühl stieg ich dann in Washington aus dem Flieger und stellte mich bei der Immigration an. Ich hatte mein Handy nicht wie von vielen empfohlen, ausgeschaltet, sondern ganz normal in der Hand.
Was soll mir schon passieren?, dachte ich.
Mir, als privilegierte weiße Deutsche? Im schlimmsten Fall lassen sie mich nicht rein. Ja, das wären ein paar unangenehme Stunden, aber am Ende müsste ich einfach wieder zurück in mein sicheres Heimatland.
Aber ich weiß von einigen Menschen, dass sie bestimmte Themen inzwischen nicht mehr offen ansprechen – sogar in Deutschland. Und Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wie Klimaschutz, also der Schutz unserer Lebensgrundlage und der unserer Kinder, sind plötzlich „umstritten“.
Das ist gefährlich.
Gerade deshalb fühlt sich meine Rückkehr nach Washington dieses Mal anders an. Vielleicht ernster. Vielleicht klarer. Denn die Frage, ob wir frei sprechen, schreiben und posten können, entscheidet sich nicht erst an der Grenze, sondern in unserem eigenen Verhalten – jeden Tag. Und bei jedem einzelnen von uns!
Und während ich hier in der Hauptstadt der USA sitze und über Verantwortung im digitalen Raum diskutiere, merke ich:
Demokratische Werte müssen vor allen von uns allen, von jedem einzelnen von uns verteidigt werden! Es sind nicht die großen Reden auf großer Bühne, sondern es sind unsere Gespräche im Alltag, unser eigenes Handeln.
Mit diesem Gedanken starten wir jetzt in die Nachrichten der Woche und sie zeigen, wie wichtig genau dieser Mut gerade ist.
Ich sage: Kaffee in die Hand – und auf geht’s! ☕🗞️
Geschützter Inhalt für News-Crew Abonnent:innen
Bei Fragen oder Problemen mit dem Log-in hilft dir der News-Crew Support gern weiter!
Auf Dauer günstiger.
Werde News-Crew Abonnent:in und schalte die Paywall ab! Du erhältst Zugriff auf die vollständigen Meldungen in der NEWSiversum App und im Web, überprüfte Informationen auf Social Media, den ESMR-Podcast und viele weitere Inhalte.
Im Jahres-Abo sparst du aktuell 12 €:
Wähle jetzt dein News-Crew Abo!
Dein Abo zählt!
Um dieses Projekt – eine unabhängige News-Plattform für interessierte Frauen mit wenig Zeit – zu betreiben und weiterzuentwickeln, braucht es eine engagierte Redaktion, aber auch finanzielle Unterstützer:innen.
Das NEWSiversum ist für dich nahezu werbefrei, viele Angebote stehen kostenfrei zur Verfügung. Du kannst dieses Angebot jetzt mit einem monatlichen oder jährlichen News-Crew Abo unterstützen.
Du erhältst sofort Zugriff auf alle Funktionen und Inhalte in der NEWSiversum App und im Web, per E-Mail und auf Instagram!
Die NEWSiversum App ist im Google Play Store verfügbar und in Kürze auch für Apple Nutzer:innen erhältlich!
Herzlichst aus Washington,
Elisabeth
EFMR VOM 05. DEZEMBER 2025
🗞️ 🤝 🕊️
Vielen Dank, dass du ein Teil der News-Crew bist.








