Ellis Saturday-Morning Report Vol. 3
Guten Morgen, liebe News-Crew!
Herzlich willkommen in der dritten Ausgabe meines wöchentlichen Newsletters „Ellis Saturday Morning Report“.
Hier kommt meine Zusammenfassung für dich, was in der Welt der Nachrichten diese Woche so los war!
Du kannst dir aussuchen, ob du dich in dieser E-Mail auf den neusten Stand bringst, oder die Infos lieber auf die Ohren bekommst! Hier ist der Morning Report als Mini-Podcast:
Auf geht’s.
Das war diese Woche wichtig:
1. Bundesverfassungsgericht urteilt: Mini-Lohn für Häftlinge verfassungswidrig
In Deutschland gibt es seit 2015 einen Mindestlohn, der aktuell bei 12 Euro pro Stunde liegt. Der ist gesetzlich festgelegt und gilt für alle Beschäftigten – außer für Gefangene. Sie erhalten für ihre Arbeit maximal 2,30 Euro pro Stunde.
Das Bundesverfassungsgericht musste sich mit der Frage befassen, ob der Lohn für Häftlinge angemessen ist, da zwei Gefangene aus Bayern und NRW geklagt hatten. Diese Woche entschied das Gericht im Sinne der Kläger:
Das ist zu wenig! Es brauche eine angemessene Bezahlung.
Doch wie hoch “angemessen” ist, gaben die Richter:innen nicht vor. Bis Juni 2025 müssen nun die beiden betroffenen Bundesländer neue Regelungen finden. Neben dem Stundenlohn müssen sie auch festlegen, welche zusätzlichen Leistungen Gefangene bekommen. Denn aktuell zahlen Häftlinge keinerlei Sozialleistungen wie z.B. Arbeitslosen-, oder Rentenversicherung.
In den meisten Bundesländern sind Häftlinge verpflichtet, in Gefängnissen zu arbeiten. Sie führen unterschiedliche Jobs aus: z.B. arbeiten sie als Buchbinder, in einer Gefängnisgärtnerei – oder werden in Werkstätten ausgebildet.
Jetzt fragst Du Dich: Wofür brauchen Häftlinge im Gefängnis denn Geld?
Zum einen, um extra Telefonate oder zusätzliche Lebensmittel zu kaufen. Zum anderen haben Gefangene auch Zahlungsverpflichtungen, wie die Tilgung von Schulden oder Schmerzensgeld an die Opfer.
Außerdem wird ein Teil des Geldes, das sie im Gefängnis verdienen, einbehalten und erst nach Haftentlassung ausgezahlt, das sog. “Überbrückungsgeld”. So stehen sie nach dem Leben im Knast nicht komplett ohne finanzielle Mittel da.
Für all das reiche der aktuelle Lohn nicht aus, urteilte das Bundesverfassungsgericht. Die Richterinnen bezogen sich auf das sogenannte “Resozialisierungsgebot”, das im Grundgesetz verankert ist. Das bedeutet im Prinzip: das Leben im Gefängnis soll auf das Leben danach vorbereiten.
Dazu gehöre auch, dass sich Arbeit lohnen müsse, betonte die Vizepräsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Doris König. „Angesichts der geringen monetären Vergütung (…) erschließt sich nicht, wie die gesetzlich festgelegten Zwecke von den Gefangenen tatsächlich erreicht werden sollen, ohne dass ihnen mehr Lohn zur Verfügung stünde.“
Das Argument gegen höhere Entlohnung ist, dass der Strafentzug den Staat Geld kostet. Das Bundesland NRW zum Beispiel 1 Milliarde Euro pro Jahr. Die Einnahmen der Arbeit der Gefangenen belaufen sich auf nur rund 30 Millionen Euro.Heißt: Enorme Kosten für die Gefängnisse, aber: Der Staat ist ja auch dafür verantwortlich, dass sein Justizsystem funktioniert – und dazu gehören auch Gefängnisse.
Diese Gegebenheit bestätigt nun auch das Gericht und stellt klar, dass ein Gefängnisaufenthalt eine starke Einschränkung der Freiheit eines Menschen bedeutet. Jedem müsse deshalb die Chance gegeben werden, nach diesem Aufenthalt vernünftig leben zu können.
Eine Arbeitsverpflichtung in einem Gefängnis, wie es sie in vielen Bundesländern gibt, bedeutet dann auch: ein angemessener Lohn für diese Arbeit. Denn nur dann ist sie weder Ausbeutung noch Zwangsarbeit.
2. Suche nach U-Boot „Titan“ – und das riesige Medieninteresse
Wenn man in dieser Woche auf die Titelseiten der Zeitungen – oder den Nachrichtenportalen im Internet geblickt hat, gab es in allen großen Medien ein Top-Thema: Die Suche nach dem verschollenen U-Boot “Titan”.
Inzwischen ist traurige Gewissheit: Keiner der fünf Männer an Bord hat den Abenteuertauchgang in fast 4km Tiefe zum Wrack der Titanic überlebt. Etwa eine Stunde und 45 Minuten nach Beginn des Tauchgangs riss der Kontakt zum Mutterschiff „Polar Prince“ ab.
Sonntag begann nicht nur eine aufwändige Rettungsaktion der US-Küstenwache, sondern auch ein vermeintlicher Wettlauf mit der Zeit: Denn die Sauerstoff-Reserven hätten bestenfalls bis Donnerstag gereicht. Vorgestern war ein Tauchroboter dann auf Trümmerteile der Titan gestoßen. Die Vermutung: Es gab eine fatale technische Panne, die unter dem enormen Druck des Wassers das kleine U-Boot implodieren ließ. Kritik am technischen Zustand dieser Kapsel hatte es schon vor Jahren gegeben, dennoch entschlossen sich extrem wohlhabende Abenteurer zur Tauchfahrt mit dem Gründer des Unternehmens. Ein Ticket soll ein Vermögen gekostet haben: angeblich 250.000 Dollar!
Klar. Es ist ein tragisches Ereignis und es geht um Menschenleben – aber das tut es ja auch bei anderen dramatischen Ereignissen, die weitaus weniger Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit bekommen. Wieso ist das so?
“Da es eine Abwechslung bietet zu den häufig so komplexen Themen dieser Tage. Es geht um eine ganz konkrete Geschichte, die wir uns erzählen können (…)”, sagte die Medienpsychologin Maren Urner dazu im Deutschlandfunk.
Es handele sich um eine “überschaubare Größe” an Menschen, die in dem U-Boot eingeschlossen waren. “Wir haben Gesichter dazu, können Lebensgeschichten dazu erzählen und ein klares Ende in Sicht (ob gut oder schlecht), sowie einen konkreten Anfang.” Das liefert einen Zugang und eine Dramatik, die man sonst bei vielen anderen Themen wie Klimakrise, Ukraine-Krieg oder Pandemie nicht hat. “Und die erschlägt uns dann häufig, wenn wir versuchen, sie zu finden.”Dieses Bildliche und Visuelle anhand einiger wenigen Menschen nimmt unser Gehirn “dankbar in Empfang. Da es viel händelbarer ist, im Vergleich zu den vielen großen Zahlen und komplexeren Themen, denen wir sonst in den Nachrichten begegnen.”
In den vergangenen Tagen gab es News-Ticker, die die Tragödie minutiös begleiteten.Einige Beobachter zogen Parallelen zum verheerenden Bootsunglück vor der Küste Griechenlands Mitte Juni. Hunderte Flüchtlinge, darunter auch Kinder, verloren ihr Leben.Doch die Berichterstattung darüber ebbte erstaunlich schnell ab. Das kritisierte bei einer Veranstaltung am Donnerstag auch Ex-Präsident Barack Obama.
Ist und war diese enorme Berichterstattung über die U-Boot-Tragödie also gerechtfertigt und welche Aufgabe haben dabei die Journalist:innen und Redaktionen? “Wir brauchen viel mehr Verantwortung im Journalismus.“, sagt dazu die Medienpsychologin.Natürlich sei aus journalistischer Perspektive die Thematik mit dem U-Boot einfach zu erfassen und schnell zu erzählen, aber es ist die Aufgabe von Medienschaffenden, auch komplexere Themen so zugänglich zu machen, dass Menschen sich auch für diese interessieren.
Dabei ist es wichtig, dass man solche Geschichten für die Leser:innen greifbar macht und so erzählt, dass sie sich damit identifizieren können. Damit sei nicht nur gemeint, dass man von persönlichen Schicksalen erzählt, sondern auch: Den Lesenden klarzumachen, warum das Thema für sie relevant ist.
Mich würde Deine Meinung dazu interessieren: Wie schaffen es Medien, auch über Themen zu berichten, die vielleicht komplexer sind und einen nicht unmittelbar und auf den ersten Blick zu betreffen scheinen? Und zwar so, dass Du als Leserin den Beitrag gerne liest oder hörst?
Schreibe mir an: office@newsiversum.com
3. Mehr politisch motivierte Straftaten in Deutschland
Die Zahl politisch motivierter Straftaten ist im vergangenen Jahr gestiegen. Vor allem Rechtsextreme und Reichsbürger seien gewaltbereiter denn je. Das zeigt der neue Verfassungsschutzbericht.Das Bundeskriminalamt registrierte im Jahr 2022 insgesamt 58.916 solcher Straftaten. Das sind sieben Prozent mehr als im Jahr 2021 (Da waren es 55.049).Rund 38.800 Personen stuft der Verfassungsschutz als rechtsextrem ein, davon seien ca. 14.000 gewaltbereit. Sie haben im vergangenen Jahr 1016 Gewalttaten verübt.
Innenministerin Nancy Faeser äußerte ihre Sorge darüber, dass Angriffe auf Geflüchtete in Deutschland zugenommen haben: “Der Rechtsextremismus ist weiterhin die größte extremistische Bedrohung in Deutschland. Besondere Sorge macht mir, dass Angriffe auf Geflüchtete wieder stark zugenommen haben. Es ist abscheulich, Menschen anzugreifen, die bei uns Schutz vor Krieg und Terror suchen.”Auch extremistische Straftaten durch “Reichsbürger” und “Selbstverwalter” hätten zugenommen. Reichsbürger sind Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Gründen und Begründungen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen. Selbstverwalter behaupten, sie können durch eine Erklärung aus dem Staat austreten und seien daher nicht an dessen Gesetze gebunden.
Die Zahl der linksextremen Gewalttaten ging dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 37,4 Prozent zurück. Allerdings zeigten, “ einzelne Angriffe, zahlreiche Körperverletzungen und die regelmäßig verursachten hohen Schadenssummen durch Brandstiftungen oder Sachbeschädigung das unverändert hohe Gefährdungspotential”, so die Innenministerin.
Außerdem ist die Zahl der Linksextremisten angestiegen: 36.500 Menschen werden der Szene zugeschrieben. Das ist ein Anstieg von 5,2 Prozent. Davon gelten rund 10.000 Personen als gewaltbereit.
Auf der Website ging ein Magazin-Beitrag online!
Grindadrap – das ist die umstrittene Jagd nach Walen auf den Färöer-Inseln. Jedes Jahr werden dabei rund 800 Grindwale und andere Delfinarten getötet.
Bei diesen Treibjagden werden sie mit Booten in Buchten getrieben. Dort stehen Jäger und Helfer*innen, um die Tiere mit Seilen Richtung Strand zu ziehen. Im flachen Wasser töten die Jäger die Wale dann mit einer speziellen Lanze.
Der Filmemacher und Medien-Coach Matthias Sdun teilt mit der News-Crew seine persönlichen Eindrücke seiner Drehreise auf die Inseln, bei der das TV-Team Zeuge einer Grindadrap wurde. Hier geht es zum Artikel.
Und: Die Doku des ARD-Teams und Matthias ist ab jetzt sogar in der ARD-Mediathek abrufbar: „Waljagd auf den Färöer-Inseln. Warum gibt’s das noch?“
Hast Du Dich auch schon gefragt, warum plötzlich alle wieder von Dürre und Trockenheit sprechen? Nachdem das Frühjahr das regenreichste seit vielen Jahren war…? Warum wir trotzdem mit Dürre zu kämpfen haben, erfährst Du in diesem Artikel auf meinem Instagram-Kanal.
Außerdem gab’s wie gewohnt die Mittwoch News . Darin schauen wir auf die landesweiten Proteste nach dem Tod einer Schwangeren in Polen; ich erläutere die schweren Vorwürfe nach dem Bootsunglück vor der Küste Griechenlands, und Du erfährst, warum die ehemalige Eisschnelläuferin Claudia Pechstein nach einer Rede auf dem CDU-Grundsatzkonvent für mächtig Wirbel gesorgt hat.
Und bevor wir jetzt alle das Wochenende genießen, habe ich hier noch eine gute Nachricht für euch:
Häufig lesen wir davon, dass die Anzahl vom Aussterben bedrohter Tierarten immer weiter zurückgeht. Heute kann ich aber einen kleinen Hoffnungsschimmer verkünden: Eigentlich gehört die Saimaa-Ringelrobbe zu den seltensten Robbenarten, da es weltweit nur noch 440 Tiere gibt. Durch eine Inspektion kam jetzt aber heraus, dass 2023 mehr als 100 Ringelrobbenbabys auf die Welt kamen. Eine süße Sensation. Die Ringelrobbe lebt im viertgrößten See Europas, dem Saimaa-See in Ost-Finnland.
Der einzige Feind dieser drolligen Robbenart ist der Mensch. Man befürchtete, dass die Robbe der Fischerei schaden würde und jagte sie deshalb erbarmungslos; so war sie in den 80er Jahren schon nahezu ausgestorben. Aber auch unter dem Klimawandel leidet die Robbe, da sie Kälte zum Leben braucht.
Deshalb wird sie seit Jahren geschützt und von Organisationen wie dem WWF unterstützt; z.b. beim Nestbau oder indem Geisternetze im See eingesammelt werden.
Auch wurde auf die Politik Druck ausgeübt: So gibt es laut GoodnewsMagazin seit diesem Jahr ein Verbot für Netzfischerei in den Monaten April – Juni. In diesem Zeitraum lernen die kleinen Babys schwimmen und tauchen, weshalb Fischernetze in dem Zeitraum besonders gefährlich für die Tiere sind.
Diese Maßnahmen scheinen sich auszuzahlen, wie die erfreulich wachsende Zahl der Ringelrobbenbabys in diesem Jahr zeigt.
Definitiv: Good News! … und: guck wie süüüüüüß:
So, liebe News-Crew. Das war das Wichtigste der Woche. Bester Zeitpunkt, nun das Handy wegzulegen. Das mach ich jetzt auch! 🙂
Herzlichst, Elisabeth








