Die große Kraft des kleinen Abenteuers

Raus aus dem Alltag, rein in die Natur und einfach mal was Neues entdecken… Tatsächlich ist es wirklich unglaublich einfach, es kostet “nur” ein Stück weit Überwindung: das sogenannte “Mikroabenteuer”. Was das ist, wie es funktioniert und was den besonderen Zauber dieser kleinen Reise ins Ungewisse ausmacht, darüber haben wir mit Christo Foerster gesprochen. Der Autor aus Hamburg hat mit der Idee des Mikroabenteuers eine ganze Bewegung ins Leben gerufen und bereits einige Bücher zu dem Thema veröffentlicht.

Die große Kraft der kleinen Abenteuer - im Gespräch mit Christo Foerster

Ein schöner Ausgleich zum Alltag

Folgendes Szenario:
Es ist Sommer. Mitten in der Nacht klingelt um 3:30 Uhr der Wecker.
Noch ist es dunkel. Kurz unter die Dusche, anziehen und los geht’s. Du machst dich auf den Weg ins Büro.
Obwohl es vielleicht rund zehn Kilometer entfernt ist, fährst du an diesem Morgen nicht mit dem Auto oder der Bahn, sondern gehst zu Fuß. Zu einer Zeit, in der alle anderen noch schlafen, die Sonne aber aufgeht und die Natur erwacht.
Du läufst über Schleichwege, vielleicht durch ein Stück Wald und vielleicht auch mal quer Feld ein, bis du ein hübsches Plätzchen findest, wo du eine Pause einlegst und dein Frühstück genießt. Dazu eine heiße Tasse Tee oder Kaffee und die Welt scheint nicht nur schwer in Ordnung, sondern auch eine ganz andere zu sein als sonst morgens um 6.30 Uhr…

Das Konzept Mikroabenteuer

Mitten im Alltag und direkt vor unserer Haustür warten viele kleine Abenteuer auf uns, wenn wir uns nur darauf einlassen. Christo Foerster ↗️ lässt sich darauf ein, seit acht Jahren sehr regelmäßig und mit großer Begeisterung. Der 46-Jährige aus Hamburg ist ursprünglich Sportwissenschaftler und Journalist, heute ist er von Beruf Autor und Abenteurer. Ob der zweifache Vater in seiner Hängematte eine Nacht am Elbufer mit Blick auf den Hamburger Containerhafen oder im Wald verbringt, ob er kurz entschlossen über Nacht mit dem Fahrrad von Hamburg nach Berlin fährt, um mit einem guten Freund zu frühstücken, oder ob er von Deutschland nach Dänemark schwimmt – Foerster webt solche Abenteuer ganz bewusst in seinen Alltag ein. Er nennt sie “Mikroabenteuer”. 

Christo Foerster sitzt auf einem SUP auf der Saale
Foto: Jozef Kubica

Aus wenig viel machen

“Mikro” bezieht sich dabei nicht auf die Intensität des jeweiligen Abenteuers, sondern meint, dass der Aufwand, den ein solches Abenteuer erfordert, so gering wie möglich ist, es für die Umsetzung also nicht viel braucht. “Die Idee ist, das Beste aus dem zu machen, was wir haben und zwar da, wo wir sind”, erklärt Foerster. Es muss also kein Dschungel-Trekking im brasilianischen Regenwald sein oder ein Roadtrip durch das australische Outback, um viel zu erleben. Im Gegenteil: Foerster schätzt die Kraft, die in kleinen Abenteuern steckt, sogar größer ein, weil wir sie in unseren Alltag integrieren und ihn so nachhaltig verändern können. Zeitintensive und kostspielige Trips in ferne Länder hingegen sind natürlich fantastisch, aber lassen sich nicht mal eben so umsetzen und sie wirken nur kurzfristig. Der Alltag hat uns danach allzu schnell wieder…

Ein allgemeingültige Definition eines Mikroabenteuers gibt es natürlich nicht, weil jeder und jede von uns ganz unterschiedliche Voraussetzungen (und Komfortzonen) mitbringt. So kann auch das Laufen zur Arbeit bei Sonnenaufgang ein kleines Abenteuer sein. Die “Spielregeln” legt also jede und jeder für sich selbst fest. 

Das Mikroabenteuer kann gerade in der heutigen Zeit ein wichtiger Ausgleich zum Alltag sein

Unter dem Titel “Mikroabenteuer” veröffentlichte Christo Foerster im Frühjahr 2018 sein erstes Buch. Es folgten weitere Bücher zu diesem Thema und im vergangenen Jahr kam sogar der Film “Abenteuerland” über seine Deutschland-Expedition in die Kinos. Auch mit seinem Podcast “Frei raus – Abenteuer fürs Leben” ↗️ sowie mit seinem wöchentlichen Newsletter inspiriert er viele Menschen. Foerster scheint mit den kleinen Abenteuern im Alltag einen bestimmten Nerv unserer Zeit zu treffen. 

“Die Idee des Mikroabenteuers ist natürlich nicht neu, aber wir leben in einer Zeit, in der sie sehr relevant ist”, weiß auch Foerster und erklärt weiter: “Im Gegensatz zu unserer Biologie verändert sich unsere Lebensrealität unglaublich schnell. In unserer durchtechnologisierten Welt war das Leben des Menschen von der Natur noch nie so weit entfernt wie heute.” Insofern ist Foerster davon überzeugt, dass regelmäßige Naturerlebnisse ein wichtiger Ausgleich zu unserem Alltag sind. “Ein Mikroabenteuer lebt aber nicht nur von Erlebnissen in der Natur. Es geht auch darum, dabei in sich selbst Neues zu entdecken, Dinge zum ersten Mal zu tun, die Neugierde wiederzuentdecken, überhaupt die Lust aufs Entdecken, auf allen Ebenen, und außergewöhnliche Lösungen zu finden, wenn unterwegs mal nicht alles so klappt, wie gedacht”, so der Autor.

Wie anfangen?

Das Schwierigste am Mikroabenteuer ist vermutlich, sich zu überwinden und “einfach” zu machen. Insofern ist es ratsam, klein und so einfach wie möglich zu beginnen. Foerster empfiehlt zum Beispiel den Balkon oder Garten für eine erste Nacht im Freien. Alleine im Wald, das sei dann der zweite Schritt. Er selbst übernachtet übrigens auch deshalb nur mit Isomatte oder Hängematte und Schlafsack draußen, weil das wilde Zelten in Deutschland verboten ist. Ohne Zelt sind dagegen lediglich Schutzgebiete tabu. Eine weitere Idee für ein anfängliches Mikroabenteuer: Mit dem Bus oder dem Zug ein paar Kilometer raus fahren und zurück nach Hause laufen – vielleicht sogar total oldschool mit ausgeschaltetem Smartphone, also ohne Navi, schließlich ist der Weg das Ziel. 

Mit Kindern auf Entdeckungstour (Foto: Jozef Kubica)
Foto: Jozef Kubica

Mit den Kids auf Entdeckungstour

Übrigens, auch mit Kindern können wir tolle Mikroabenteuer erleben (siehe Buchtipp ↗️). Ob Abendbrot am See mit anschließender Nachtwanderung oder eine mehrtägige Fahrradtour mit Draußen-Übernachtung – Christo Foerster würde sagen: “Raus und machen!” Denn durch Mikroabenteuer können wir (zusammen) wachsen, den Kopf frei kriegen und Abstand zum Alltag bekommen sowie unsere geistige und körperliche Fitness fördern. “Meine bislang erlebten Abenteuer haben mir schöne und intensive Momente beschert – und ich habe viel gelernt, auch über mich und das Leben”, fasst Foerster abschließend zusammen.  

» Hier kannst du den Podcast “Frei raus – Abenteuer fürs Leben” von Christo Foerster hoeren ↗️

» Das Buch Raus und machen: Mikroabenteuer · Das Praxis-Buch von Christo Foerster ist bei HarperCollins Germany erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich. Hier kannst du es als Taschenbuch, E-Book oder Hörbuch bestellen ↗️

» Zum Instagram-Kanal von Christo Foerster ↗️

» Videos von Christos und den Trailer zu seinem Kinofilm „Abenteuerland“ findet ihr auf Youtube

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