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Elisabeth Koblitz

Ellis Saturday-Morning-Report Vol. 7

Ellis Saturday-Morning Report Vol. 7

Guten Morgen, liebe News-Crew!

Es ist Samstagmorgen und das heißt: Es ist Zeit für Nachrichten. 🙂

Ich melde mich heute aus dem Süden von Schweden!

Freunde, die hier seit ein paar Jahren leben, haben ein typisch Schwedisches Ferienhaus an der Küste: ein rotes Holzhaus mit weißen Fensterrahmen, mitten im Wald – und Kinder im selben Alter wie unsere. Bereits vergangenen Sommer haben wir gemeinsam ein paar Tage verbracht – und das hat so gut harmoniert (zwischen Kindern UND Erwachsenen), dass wir hier nun erneut einen Teil des “Schwedischen Sommers” gemeinsam verbringen. Das heißt für die Kinder, dass sie von morgens bis abends draußen sind und herumtoben…und  nur schnell zum Essen reinkommen, um dann direkt wieder raus zu sprinten. 

Wir Erwachsenen genießen es, gemeinsam zu kochen, zu lachen – oder die Gesichter in die Sonne zu strecken… also für maximal fünf Minuten bis zum nächsten "Mamaaaa, Papaaa!". 

So, jetzt lass' uns aber mal schauen, was in der vergangenen Woche in der Welt der Nachrichten so los war. Auf geht's! 

Hier ist der ESMR Vol. 7 als Podcast:

Das war diese Woche wichtig:

1. Russland stoppt das Abkommen über den Export von Getreide aus der Ukraine

Seit Montag wird kein Getreide mehr aus der Ukraine über das Schwarze Meer in die Welt verschifft. Grund ist der Ausstieg Moskaus aus der "Initiative für den sicheren Transport von Getreide und Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen". 

Das ist besonders schlimm, denn die Ukraine ist einer der wichtigsten Getreideproduzenten der Welt. Vor allem Weizen, Mais und Gerste werden exportiert, gleiches gilt für Sonnenblumenöl. Fällt ein bedeutender Akteur wie die Ukraine aus, kann das Auswirkungen auf die globale Ernährungssicherheit haben. 

Was beinhaltete das Abkommen:

Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 blockierte Russland die Seeausfuhren der Ukraine, es kam zu Versorgungsegnpässen in armen Regionen der Welt, wie dem Horn von Afrika, die auf die Exporte angewiesen sind. Gleichzeitig mussten in der Ukraine viele Bauern um ihre Existenz bangen.

Im Juli 2022 schlossen  die Ukraine und Russland, unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei, ein Getreideabkommen. Das Abkommen erlaubt den Export von Getreideprodukten von den ukrainisch kontrollierten Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj. Um dies zu erreichen, müssen die Schiffe das Schwarzmeer entlang eines vereinbarten humanitären Seekorridors in Richtung Istanbul durchqueren. Hier werden Schiffe von russischen, türkischen, ukrainischen und UN-Inspektoren an einem von der Türkei kontrollierten Stützpunkt inspiziert.

Das Abkommen umfasst auch eine separate Vereinbarung zwischen den Vereinten Nationen und Russland. Die Vereinten Nationen versprechen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um  den Export russischer Getreide- und Düngemittel zu erleichtern. Das Abkommen galt zunächst für 120 Tage und wurde seither dreimal verlängert, nun hat es Russland Anfang dieser Woche beendet.

Jetzt fragst du dich sicher: Und wieso?! 

Russland ist der Auffassung, dass Vereinbarungen, die zugunsten Russlands gemacht wurden, nicht erfüllt wurden. Auch die westlichen Sanktionen hätten die russischen Agrarexporte blockiert. Insbesondere geht es um den Export von Düngemitteln und Getreide aus Russland. Beides wird vom Westen nicht sanktioniert, jedoch haben viele Unternehmen Bedenken, mit Russland Geschäfte zu machen. Hinzu kommt, dass die russische Landwirtschaftsbank nicht mehr Teil des internationalen Zahlungsverkehrssystems Swift ist, wodurch russische Unternehmen Probleme haben, ihre Exporte zu versichern oder Geldinstitute für diese Absicherung zu finden. 

Der Westen weist die Vorwürfe des Kreml zurück. Russland exportiere im gleichen Rahmen Getreide und Düngemittel wie vor der Invasion. “Wenn nicht sogar in größerem Umfang”, so die US-Botschafterin bei der UN, Linda Thomas-Greenfield.

Wann wird das Getreideabkommen wieder aufgenommen?

Putin weigert sich erstmal, das Getreideabkommen zu verlängern. Bevor dies geschieht, verlangte Moskau als Gegenleistung Erleichterungen bei den Sanktionen für seine Dünge- und Lebensmittelexporte, einschließlich Erleichterungen bei Versicherungen, Fracht und Finanzierung. Außerdem verlangt er, dass die staatliche Landwirtschaftsbank von den Sanktionen des Westens entlastet wird. Laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wird Moskau erst nach Erfüllung aller russischen Anforderungen an den Export seines eigenen Getreides erneut zur Vereinbarung zurückkehren.

Bundeskanzler Olaf Scholz kritisierte die Entscheidung Russlands. Dies sei eine “schlechte Botschaft an die ganze Welt”.

Seit dem Aufkündigen des Abkommens bombardierte die russische Armee in den vergangenen Nächten Getreidelager in Odessa. Es wird damit gerechnet, dass nun Angriffe auf Frachter folgen könnten. Um die Gefahr russischer Attacken zu reduzieren, versucht die Ukraine mithilfe der EU nun die Exporte umzuleiten. Laut EU werden nur noch 40 Prozent des Getreides aus der Ukraine über die Häfen am Schwarzen Meer exportiert. 60 Prozent des Transports in die EU erfolgt über Landwege, bevor das Getreide dann über Häfen an der Ostsee, der Adria und anderen Häfen am Schwarzen Meer verschifft wird. 

Trotz des Krieges konnte die Ukraine im Jahr 2022 mehr als 38 Millionen Tonnen Getreide exportieren und dabei mehr als acht Milliarden Euro Einnahmen erzielen. Der Staatshaushalt des Landes hängt von den Einnahmen ab. Russland verschärft mit seiner Entscheidung die weltweite Krise der Ernährungssicherheit weiter. Laut World Food Programme ernährt das ukrainische Getreide 400 Millionen Menschen weltweit.

2. Frauen-Demo in Afghanistans Hauptstadt Kabul brutal niedergeschlagen 

Die Taliban kennen keine Gnade – das wurde erneut deutlich, als Afghanistans Herrscher Mitte der Woche Proteste von Kosmetikerinnen in Kabul gewaltsam beendeten. Die Frauen waren gegen die von den islamistischen Fundamentalisten angeordnete Schließung von Schönheitssalons (ich hatte in “Ellis Saturday Morning Report” vom 8. Juli darüber berichtet) auf die Straße gegangen. Lokalen Medien zufolge hielten einige Demonstrantinnen Schilder hoch, auf denen “Brot, Arbeit, Gerechtigkeit” zu lesen war. Offenbar ein Versuch, die Taliban umzustimmen. Augenzeuginnen schildern, dass einige Frauen verhaftet wurden, Sicherheitskräfte hätten Wasserwerfer eingesetzt und sogar Warnschüsse in die Luft abgegeben. 

So setzt das Taliban-Regime die Schließung der Schönheitssalons rigoros durch. Zur Begründung hatte es geheißen, in den Salons würden vom Islam verbotene Dienstleistungen angeboten, die vor Hochzeitsfeiern die Familie des Bräutigams in finanzielle Schwierigkeiten brächten. Für Afghanistans Frauen fällt damit eine der letzten verbliebenen Verdienstmöglichkeiten weg. Denn die Islamisten haben sie nach und nach aus immer mehr Berufen gedrängt, auch der Besuch von weiterführenden Schulen und Universitäten bleibt den Mädchen und Frauen des Landes seit der erneuten Machtübernahme der Taliban verwehrt – allen internationalen Protesten zum Trotz. Dabei hatten die Taliban im August 2021 noch versprochen, deutlich moderater zu regieren als in den Jahren von 1996-2001, ihrer ersten Schreckensherrschaft, während der Frauen praktisch alle Rechte genommen worden waren. Tatsächlich aber herrschen die autoritären Islamisten wieder mit ähnlicher Brutalität.

Die Vereinten Nationen kritisieren das rigorose Einschreiten der Sicherheitskräfte bei der Frauendemo in Kabul. Die Berichte über die gewaltsame Unterdrückung eines friedlichen Protests seien besorgniserregend, twitter die UNAMA (die Unterstützungsmission der UN in Afghanistan). Afghaninnen und Afghanen hätten das Recht, ihre Meinung frei von Gewalt zu äußern. Vom Taliban-Regime und seinem sog. Tugendministerium gab es daraufhin jedoch keine Reaktion.

3. Mittagsschlaf gegen Hitze – Siesta bald auch in Germania?

Der Amtsärzte-Verband hatte diese Woche eine Idee, die seither für rege Diskussionen sorgt, ob im Büro, auf der Baustelle oder oder Freibad.

Mit Blick auf die auch in Deutschland immer höheren Temperaturen im Sommer sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen: “Wir sollten uns bei Hitze an den Arbeitsweisen südlicher Länder orientieren: Früh aufstehen, morgens produktiv arbeiten und mittags Siesta machen, ist ein Konzept, das wir in den Sommermonaten übernehmen sollten.”  

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach findet die Idee gut: “Siesta in der Hitze, ist sicherlich kein schlechter Vorschlag. Das sollten aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer selbst aushandeln.” Medizinisch sei dies aber für viele Berufe sinnvoll. Der Vorsitzende der IG BAU, Robert Feiger, sagte der ARD: Bei 40 Grad gibt es nur “runter vom Bau und vom Feld.” Für die fehlende Arbeitszeit solle mit staatlichen Hilfen Ausfallgeld bezahlt werden.

Ich fand die Idee zunächst auch erstmal ganz einleuchtend. Doch schon die Antwort des Vorsitzenden der IG BAU zeigt mir, die Umsetzung würde komplizierte Fragen aufwerfen. Wer kommt für die ausgefallene Arbeitszeit auf? Wann wird sie nachgeholt? Und oder wer passt auf die Kinder auf, wenn die Eltern nach der Siesta am späten Nachmittag oder frühen Abend nochmal arbeiten müssen?

Was hältst du von der Einführung der Siesta in Deutschland?

Schreibe mir gerne an abo@newsiversum.com

Auf der Website ging ein Magazin-Beiträge online!

Über 30 Jahre nach dem Mauerfall wird endlich die Gewalt in DDR Kinderheimen aufgearbeitet. Unsere Autorin Lisa Wiese hat die wichtigsten Fragen gestellt und zusammengefasst, was du darüber wissen solltest. Das liest du in diesem Artikel, der ab sofort im NEWSiversum für die News-Crew zu lesen ist.

Auf Instagram ist ja die beliebte Rubrik der Mittwoch News in Sommerpause. Stattdessen ging ein Artikel aus der Rubrik "Let's Talk Taboo" online und wir sind direkt mit einem wirklich emotionalen Text gestartet: Leserin Lina wurde mit 19 Jahren von einem One-Night-Stand schwanger und entschied sich, im dritten Trimester ihren Sohn zur Adoption freizugeben. Ließ hier den Artikel: "Aus Liebe habe ich meinen Sohn zur Adoption freigegeben."

Die Bundesregierung hat den vom Bundesumweltministerium vorgelegten Regierungsentwurf für ein Klimaanpassungsgesetz beschlossen

Die anhaltende Dürre der letzten Jahre und die Ahrtal-Katastrophe im Juli 2021 zeigen das beunruhigende Ausmaß, das die Klimakrise bereits in Deutschland erreicht hat.

Zum ersten Mal soll durch ein Gesetz eine vorausschauende und auf Risiken basierende Anpassung an den Klimawandel in Deutschland gefördert werden.  Den Entwurf dafür hat das Bundeskabinett am 13. Juli beschlossen.

Das Ziel mit diesem Gesetz: die Gesellschaft besser auf die Folgen der Klimakrise wie Dürren, Starkregen oder Hitze vorzubereiten und Risiken zu minimieren und Schäden zu vermeiden.

Laut Bundesumweltministerium soll das Gesetz zum ersten Mal einen "strategischen Rahmen" auf allen Verwaltungsebenen schaffen. So soll das Klimaanpassungsgesetz den Ländern die Verantwortung geben,  ihre eigenen Strategien zur Klimaanpassung vorzulegen und umzusetzen und sicherzustellen, dass lokale Klimaanpassungspläne auf der Grundlage von Risikoanalysen entwickelt werden und dem Bund zu berichten, wie viele Gemeinden und Kreise entsprechende Konzepte haben.

Außerdem soll das Gesetz die Bundesregierung verpflichten, eine vorausschauende Klimaanpassungsstrategie mit konkreten Zielen vorzulegen.
Länder und Kommunen erhalten vom Bund in zwei Bereichen Unterstützung: Beratung & Finanzierung.

Laut Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) benötigen insbesondere Großstädte wie Berlin mehr Wiesen, Bäume und eine ausreichende Wasserversorgung.Um insbesondere ältere Menschen besser vor Hitze zu schützen, könnte eine Beispiel-Maßnahme darin bestehen, in Städten deutlich mehr Schattenplätze zu schaffen.Die erste Klimaanpassungsstrategie mit konkreten Zielen soll dann Ende 2024 verabschiedet werden. 

Eine Bundesregierung die endlich versucht einen genauen Klimaanpassungsfahrplan für Bund, Länder und Kommunen zu bauen?! Hört sich doch gut an! Definitiv Good News!

So, liebe News-Crew. Das war das Wichtigste der Woche. Genießt das Wochenende!

Herzlichst, Elisabeth